Enterprise-KI & Strategie · Datenhoheit
Nutzen KI-Anbieter Ihre Firmendaten fürs Training?
Bei Geschäftskonten und APIs verwenden die großen Anbieter Ihre Daten standardmäßig nicht zum Training ihrer Modelle. Bei kostenlosen und privaten Chat-Konten können die Eingaben dagegen ins Training einfließen. Dazu kommen zwei Punkte, die auf den üblichen Produktseiten leicht untergehen: Anbieter speichern Eingaben eine Zeit lang zur Missbrauchskontrolle, und wer eine Antwort bewertet, gibt das Gespräch oft frei.
Das Wichtigste in Kürze
- Entscheidend ist, welches Produkt mit welchem Konto genutzt wird: Dieselben Anbieter haben Geschäftsangebote ohne Training und Privatkonten mit Training.
- APIs und Geschäftsangebote von OpenAI, Microsoft, Google, Anthropic und AWS trainieren standardmäßig nicht mit Ihren Daten.
- Kostenlose und private Konten von ChatGPT, Copilot und Mistral trainieren, bis der Nutzer es abschaltet. Das größte Risiko im Unternehmen ist deshalb das private Konto auf dem Arbeitsrechner.
- Auch ohne Training bewahren OpenAI und Anthropic Eingaben bis zu 30 Tage zur Missbrauchskontrolle auf, markierte Fälle prüfen Menschen.
Die Frage kommt in jedem Sicherheitscheck, meistens genau so: „Landen unsere Daten dann im Training?“ Sie ist berechtigt. Beantworten lässt sie sich aber immer nur für ein einzelnes Produkt.
Was OpenAI, Microsoft, Google, Anthropic, Amazon und Mistral zu ihren Angeboten sagen, wo die Fallstricke liegen und welche Fragen vor einer Freigabe geklärt sein sollten, steht im Folgenden. Alle Angaben stammen von den Seiten der Anbieter, Stand Oktober 2026.
Warum es auf das Produkt ankommt
OpenAI bietet ChatGPT als kostenloses Privatkonto an, als Geschäftsangebot mit Vertrag und als API für eigene Anwendungen. Für alle drei gelten andere Regeln, und bei genau einem davon fließen die Eingaben standardmäßig ins Training. Auch bei Microsoft, Google, Anthropic und Mistral gelten je nach Produkt unterschiedliche Regeln.
Die erste Frage lautet deshalb: Welches Produkt wird mit welchem Konto tatsächlich genutzt? Das Logo allein entscheidet die Frage nie.
Welche Angebote trainieren standardmäßig mit Ihren Daten?
Die Übersicht gilt für Eingaben, hochgeladene Dateien und Antworten.
| Angebot | Werden Ihre Daten fürs Training verwendet? |
|---|---|
| OpenAI API | Nein, außer die Organisation gibt Daten ausdrücklich frei |
| ChatGPT Business, Enterprise, Edu | Nein |
| ChatGPT Free, Plus, Pro | Ja, jeder Nutzer kann es in den Einstellungen abschalten |
| Azure OpenAI (Microsoft Foundry) | Nein |
| Microsoft Copilot (früher Microsoft 365 Copilot) mit Arbeitskonto | Nein |
| Copilot mit privatem Microsoft-Konto | Ja, abschaltbar |
| Google Gemini API, kostenpflichtig, und Vertex AI | Nein |
| Google Gemini API, kostenlos | Ja, außer im EWR, in Großbritannien und der Schweiz, dort gelten die Regeln der kostenpflichtigen Stufe |
| Gemini in Google Workspace | Nein, außer mit Ihrer Zustimmung |
| Anthropic Claude API, Claude Team und Enterprise | Nein |
| Claude Free, Pro, Max | Der Nutzer entscheidet selbst |
| Amazon Bedrock | Nein, auch die Modellanbieter erhalten die Daten nicht |
| Mistral Vibe (früher Le Chat) Free, Pro, Team | Ja, abschaltbar; Enterprise standardmäßig nein |
| Mistral Studio (API) | Kostenlose Stufe ja, bezahlte Stufe nein |
Stand: Oktober 2026, nach den Datenschutz- und Vertragsseiten der Anbieter, unter anderem OpenAI Enterprise Privacy, Microsoft Learn, Azure OpenAI, Microsoft Learn, Microsoft 365 Copilot, Gemini API Terms, Anthropic Privacy Center, Amazon Bedrock FAQ und Mistral Help Center. Die Anbieter ändern ihre Regeln regelmäßig.
Die Tabelle zeigt ein Muster: Wenn ein Unternehmen einen Vertrag unterschreibt, ist Training aus. Legt eine einzelne Person ein kostenloses Konto an, ist es an. Das passt zum Geschäftsmodell der Anbieter: Geschäftskunden bekommen vertraglich zugesicherte Datenschutz- und Kontrollmöglichkeiten, die bei kostenlosen Privatkonten so nicht gelten.
Das größte Risiko sitzt im eigenen Haus
Ein Mitarbeiter muss eine 40-seitige Ausschreibung prüfen. Abgabe ist am Freitag. Weil das Firmenwerkzeug keine PDF lesen kann, sein privates ChatGPT aber schon, lädt er die Datei eben dort hoch. Ob die Datei ins Training fließt, hängt dann nur noch an einer Einstellung in seinem persönlichen Konto, während die IT außen vor bleibt.
Ein Verbot hält nur, solange das erlaubte Werkzeug die Arbeit genauso gut erledigt. Was wirklich hilft, ist ein Geschäftszugang, der genauso gut funktioniert, dazu klare Regeln, welche Daten in welches Werkzeug dürfen. In unseren KI-Workshops gehört dazu auch, was nie in ein öffentliches KI-Tool gehört.
Was Anbieter auch ohne Training speichern
Auch wenn niemand trainiert, bleibt etwas liegen. Drei Punkte sind wichtig, und alle drei stehen abseits der Produktseite.
Missbrauchskontrolle
Anbieter müssen erkennen können, wenn ihre Modelle missbraucht werden, und bewahren Eingaben und Antworten deshalb begrenzt auf, bei der OpenAI API und bei Anthropic bis zu 30 Tage. Wird ein Fall markiert, sehen ihn Menschen an. Wer diese Speicherung ausschließen muss, etwa in der Rechtsberatung oder im Gesundheitswesen, kann bei OpenAI und Anthropic Zero Data Retention beantragen, bei Azure OpenAI eine geänderte Missbrauchskontrolle. Beides gibt es nach Prüfung. Amazon Bedrock verzichtet von sich aus auf die Speicherung.
Ausnahmen bei den neuesten Modellen
Seit Juni 2026 bewahrt Anthropic Eingaben und Antworten seiner stärksten Modelle 30 Tage auf, auch bei Kunden mit Zero Data Retention. Das gilt überall dort, wo diese Modelle laufen, also auch über Amazon Bedrock, Google Cloud und Microsoft Foundry. Eine Vereinbarung von vor einem Jahr kann für das neue Modell überholt sein. Bei jedem Modellwechsel lohnt sich deshalb ein Blick in die Bedingungen.
Daumen hoch oder runter
Wer eine Antwort bewertet, gibt das Gespräch meist zur Verbesserung frei, und bei OpenAI wandert dann der ganze Verlauf ins Training, auch wenn Sie es vorher abgeschaltet haben. Anthropic lässt die Funktion in Claude Team und Enterprise abschalten. Wo vertrauliche Inhalte im Spiel sind, ist das eine Überlegung wert.
Wo die Daten verarbeitet werden
Training und Verarbeitungsort sind zwei verschiedene Fragen. Ein Anbieter kann den Verzicht aufs Training glaubhaft zusichern und die Daten trotzdem in den USA verarbeiten.
Azure OpenAI verarbeitet in der gewählten Region. Mit der Einstellung „Data Zone EU“ bleibt die Verarbeitung innerhalb der EU, bei „Global“ kann sie auch außerhalb stattfinden. Google Vertex AI bietet einen EU-Endpunkt und Endpunkte in einzelnen Ländern, etwa Frankfurt. OpenAI bietet für die API eine europäische Datenspeicherung an, allerdings nur nach Freigabe und mit einer Zusatzvereinbarung. Amazon Bedrock speichert in der Region, in der Sie es nutzen. Microsoft 365 Copilot gehört zur EU-Datengrenze, wobei die Modelle von Anthropic, die Microsoft als Unterauftragnehmer einsetzt, derzeit ausgenommen sind. Die Anthropic API speichert nach eigenen Angaben nur in den USA.
Was vor der Freigabe geklärt sein sollte
Vier Punkte sollten vor einer Freigabe geklärt sein.
- Welches Produkt und welches Konto nutzt das Team tatsächlich, und nicht nur laut Vorgabe?
- Ist der Ausschluss vom Training vertraglich zugesichert, oder hängt er an einer Einstellung, die jeder Nutzer ändern kann?
- Wie lange wird gespeichert, wer sieht markierte Fälle, und gilt das auch für das Modell, auf das Sie nächstes Jahr wechseln?
- In welcher Region läuft die Verarbeitung, und was passiert bei der Einstellung „global“?
Die Bewertungsfunktion wird in Sicherheitsfragebögen leicht übersehen, obwohl eine scheinbar harmlose Bewertung die geltenden Datenregeln verändern kann.
Wie wir das in Projekten handhaben
Die meisten unserer Projekte laufen in Azure, in der Cloud-Umgebung des Kunden. Dort trainieren und betreiben wir das Modell mit Ihren Daten, und die Daten bleiben in dieser Umgebung. Microsoft nutzt sie nicht, um eigene Modelle zu trainieren. Seltener läuft ein Modell auf Ihren eigenen Servern, nämlich dann, wenn Daten das Unternehmen gar nicht verlassen dürfen, wie bei der Datenextraktion für Fr. Meyer’s Sohn. Was sich dafür eignet und was es kostet, steht im Artikel Lokale LLMs in der Praxis und auf der Seite LLM Entwicklung.
Ob ein Anbieter trainiert, steht in seinen Bedingungen und lässt sich vertraglich regeln. Die schwierigere Frage lautet, welche Daten Ihre Leute in ein Werkzeug geben, das jemand anders ausgesucht hat.
Welche Daten sollen bei Ihnen bleiben?
In der Prozessanalyse klären wir, welche Daten ein KI-System braucht, wo es laufen soll und welches Modell dazu passt.
Prozessanalyse anfragenHäufige Fragen
Das hängt vom Konto ab. ChatGPT Business, Enterprise und Edu trainieren nach Angaben von OpenAI standardmäßig nicht mit den eingegebenen Daten. Die kostenlosen und privaten Konten Free, Plus und Pro tun es, bis der Nutzer es selbst in den Datenkontrollen abschaltet.
Nein. Mit einem Arbeitskonto werden Eingaben, Antworten und die über Microsoft Graph erreichbaren Daten nach Angaben von Microsoft nicht zum Training der Basismodelle verwendet. Für Copilot mit einem privaten Microsoft-Konto gilt das nicht, dort ist das Training standardmäßig an.
Für eine Einzelperson ja, für ein Unternehmen selten. Die Einstellung gilt nur für dieses eine Konto, greift nur für neue Gespräche und lässt sich jederzeit zurückstellen. Verlässlich ist ein Geschäftsangebot, bei dem der Ausschluss vom Training im Vertrag steht.
Ja, meistens für eine begrenzte Zeit zur Missbrauchskontrolle: bei der OpenAI API und bei Anthropic bis zu 30 Tage, markierte Fälle sehen Menschen an. Amazon Bedrock speichert Ein- und Ausgaben standardmäßig gar nicht, und bei OpenAI, Anthropic und Azure OpenAI lässt sich die Aufbewahrung nach Prüfung abschalten.
Ja. Wer bei OpenAI eine Antwort bewertet, gibt damit das ganze Gespräch für die Verbesserung frei, auch wenn das Training sonst abgeschaltet ist. Anthropic lässt die Funktion in Claude Team und Enterprise abschalten.
Für die meisten Fälle reicht ein Geschäftsvertrag mit ausgeschlossenem Training und einer Verarbeitung in der EU, etwa in der eigenen Azure-Umgebung. Wo Daten das Unternehmen gar nicht verlassen dürfen, bleibt ein Modell auf eigenen Servern. Dann gibt es keinen Anbieter, der Eingaben speichert oder prüft. Ob sich das rechnet, hängt von Datenmenge, Anforderungen und Budget ab.
Julia Rose