Prozessautomatisierung · E-Mail-Verarbeitung
Posteingang automatisieren: Bestellungen, Rechnungen und Lieferscheine per KI
Bestellungen kommen als Fließtext in der Mail, als PDF im Anhang, manchmal als Foto eines ausgefüllten Formulars. Am Ende tippt sie jemand ins ERP. Eine KI-Pipeline liest diese Dokumente, gleicht die Werte mit Ihren Stammdaten ab und übergibt sie an das System, das sie braucht. Was sie nicht sicher erkennt, legt sie einem Menschen vor.
Das Wichtigste in Kürze
- Am meisten bringt die Automatisierung bei Dokumentarten mit hohem Volumen und wechselnden Formaten: Bestellungen, Rechnungen, Lieferscheine, Sendungs- und Termindaten.
- Vorlagen und Regeln arbeiten zuverlässig, solange das Format gleich bleibt. Sobald Kunden frei formulieren, braucht jede Variante eine eigene Regel.
- Eine belastbare Lösung sagt zu jedem einzelnen Wert, wie sicher sie sich ist, und legt unsichere Fälle vor, statt zu raten.
- In unseren Projekten sank der manuelle Aufwand um 80 bis 90 %: bei Radaway die Eingriffe um 90 %, bei Fr. Meyer’s Sohn der Extraktionsaufwand um 80 %.
In fast jedem Unternehmen, das Aufträge oder Rechnungen per Mail bekommt, läuft derselbe Ablauf: Jemand öffnet die Nachricht, liest die Bestellung, sucht die passenden Artikelnummern heraus und tippt alles ins ERP. Bei zehn Mails am Tag fällt das kaum auf, bei zweihundert sitzt jemand den halben Vormittag daran, und sobald diese Person im Urlaub ist, staut sich der Posteingang.
Mit Sprachmodellen lassen sich Dokumente inzwischen zuverlässig lesen und große Teile dieses Schritts automatisieren, ohne dass Kunden ihre Bestellungen erst in ein Portal eintippen müssen. Für welche Dokumente sich das rechnet, wie die Erfassung abläuft, was eine Lösung können muss und wie ein erstes Projekt aussieht, steht im Folgenden.
Welche Dokumente sich lohnen
Nicht jeder Beleg ist ein Fall für Automatisierung. Interessant wird es dort, wo täglich viele Dokumente derselben Art ankommen und trotzdem jedes ein bisschen anders aussieht: Bestellungen von Kunden, Eingangsrechnungen von Lieferanten, Lieferscheine und Auftragsbestätigungen, in der Logistik dazu Sendungs-, Routing- und Termindaten.
Entscheidend sind vor allem zwei Dinge: Wie viele Dokumente kommen an, und wie unterschiedlich sehen sie aus? Zwanzig identische Bestellungen pro Woche tippt jemand schneller ab, als ein Projekt dauert. Zweihundert Bestellungen pro Tag in vierzig Layouts sind ein ganz anderer Fall.
Übersehen wird meistens der dritte Punkt: was ein Fehler kostet. Eine falsch erfasste Menge fällt im Zweifel erst auf, wenn die Ware schon beim Kunden steht. Wenn ein Tippfehler eine Rücklieferung auslöst oder die Produktionsplanung durcheinanderbringt, rechnet sich die Automatisierung oft viel früher, als es die reine Zeitersparnis vermuten lässt.
Warum Vorlagen irgendwann mehr Arbeit machen, als sie sparen
Klassische Texterkennung arbeitet mit Vorlagen: Die Bestellnummer steht oben rechts, die Menge in der dritten Spalte. Solange alle Dokumente gleich aussehen, ist das schnell, günstig und jederzeit nachvollziehbar.
Der Ärger fängt mit den Abweichungen an. Ein Kunde stellt sein Layout um, ein anderer schreibt die Bestellung in zwei Sätzen mitten in einen langen E-Mail-Verlauf, ein dritter schickt sie als Foto, und plötzlich braucht jede Variante eine eigene Regel. Mit jedem weiteren Kunden wächst damit auch der Pflegeaufwand. Beim Logistikunternehmen Fr. Meyer’s Sohn, das täglich Tausende E-Mails auf Deutsch und Englisch bekommt, kam die regelbasierte Extraktion an genau diesem Punkt nicht mehr hinterher.
Sprachmodelle erfassen den Inhalt dagegen unabhängig davon, wo eine Angabe steht und wie sie formuliert ist. Damit haben Regeln aber nicht ausgedient: In unseren Projekten übernehmen sie meist die Prüfarbeit, also Formate abgleichen, Summen nachrechnen und Pflichtfelder kontrollieren, weil das mit einer Regel billiger und exakter gelöst ist als mit einem Modell. Wann welcher Ansatz passt, zeigt der Vergleich auf der Seite KI-Agenten Entwicklung.
Wie funktioniert die automatische Erfassung aus dem Posteingang?
Zwischen der eingehenden Mail und dem Auftrag im ERP liegen fünf Schritte, die sich einzeln messen und verbessern lassen. An ihnen zeigt sich später, ob das System wirklich ohne Aufsicht laufen kann.
Die Dokumentart erkennen
Zuerst ordnet das System jede Nachricht ein: neue Bestellung, Änderung, Stornierung, Rechnung, Rückfrage. Der Schritt wirkt banal, verhindert aber einen der teuersten Fehler: Wenn eine Stornierung als neue Bestellung durchgeht, verlässt Ware das Lager, die niemand bestellt hat.
Text und Anhänge zusammen lesen
Viele Aufträge stecken im Anhang, als PDF, Excel-Datei oder Scan, und dann zählt der Zusammenhang: In der Mail steht oft die Änderung zur Anlage, etwa ein abweichender Liefertermin. Bei Radaway fielen Aufträge im Anhang früher komplett aus der automatischen Verarbeitung heraus, heute sind sie abgedeckt.
In ein festes Format überführen
Das Sprachmodell gibt die Daten nach einem vorgegebenen Schema zurück, etwa Kundennummer, Artikel, Menge und Liefertermin, denn erst dadurch lässt sich das Ergebnis maschinell prüfen. Bei Freitext bliebe nur lesen und hoffen.
Gegen die Stammdaten prüfen
Kunden verwenden selten genau die Bezeichnung aus dem Katalog. Deshalb sucht das System auch bei abweichender Formulierung den passenden Artikel. Ein zweiter Schritt prüft, ob er zum Rest der Bestellung passt. Dazu kommen Plausibilitätsprüfungen: Gibt es den Kunden, passt der Preis, ist die Menge realistisch?
Übergeben oder vorlegen
Sichere Ergebnisse übergibt das System direkt ans ERP. Wenn es bei einem Wert unsicher ist, legt es den Fall einem Mitarbeiter zur Prüfung vor. An dieser Unterscheidung hängt der ganze Nutzen: Ein System, das jedes Ergebnis ungeprüft weitergibt, spart Zeit und baut dabei Fehler ein, die erst auffallen, wenn die Ware schon unterwegs ist. Eines, das jeden Fall vorlegt, spart gar nichts.
Was dabei herauskommt
Aus der Praxis: Radaway, Fertigung
Der Badausstatter Radaway bekommt Bestellungen per E-Mail, in Wortlaut und Format des jeweiligen Kunden. Ein erstes LLM-System war bereits im Einsatz, trotzdem mussten noch viele Fälle von Hand nachbearbeitet werden. Nach drei Wochen, in denen wir Prompts, Produktzuordnung, Anhänge und die Erkennung der Nachrichtenart gezielt verbessert hatten, sanken die manuellen Eingriffe um 90 %, die Produktzuordnung liegt bei über 95 %.
Bei Fr. Meyer’s Sohn ging es dagegen um Sendungs-, Routing- und Planungsdaten aus Tausenden Mails pro Tag. Weil die Daten das Unternehmen nicht verlassen sollten, läuft die Pipeline dort auf eigenen Servern und liefert die Werte strukturiert in Echtzeit; der manuelle Extraktionsaufwand sank um 80 %. Details stehen in der Referenz Fr. Meyer’s Sohn, weitere Anwendungen auf den Seiten KI für die Fertigung und KI für die Logistik.
Beide Zahlen stehen bewusst nicht bei hundert Prozent. Ein Rest bleibt bei Menschen, weil er dort hingehört: Sonderfälle, unleserliche Belege, Bestellungen mit widersprüchlichen Angaben.
Checkliste: Worauf sollten Sie bei der Auswahl achten?
Ob Sie eine Lösung einkaufen oder entwickeln lassen: An diesen Punkten entscheidet sich, ob sie im Alltag funktioniert.
| Kriterium | Worauf es ankommt |
|---|---|
| Anhänge und Scans | Liest die Lösung PDF, Excel und eingescannte Dokumente im selben Durchlauf wie den E-Mail-Text? |
| Mehrere Sprachen | Werden Dokumente in allen Sprachen Ihrer Kunden und Lieferanten erfasst? |
| Abgleich mit Stammdaten | Werden Kunden, Artikel und Preise gegen Ihre Daten geprüft, auch wenn die Bezeichnung abweicht? |
| Selbsteinschätzung je Wert | Erkennt das System für jeden einzelnen Wert, wie sicher es ist? |
| Freigabe unklarer Fälle | Gibt es einen Ablauf, in dem ein Mensch unsichere Fälle schnell prüft und bestätigt? |
| Ort der Verarbeitung | Läuft die Verarbeitung On-Premise, in der Cloud oder hybrid, passend zu Ihren Sicherheitsvorgaben? |
| Anbindung | Schreibt die Lösung über bestehende Schnittstellen in Ihr ERP, ob SAP, ein anderes ERP oder eine Eigenentwicklung? |
| Ausbau | Lassen sich später weitere Dokumentarten ergänzen, ohne neu anzufangen? |
An der vierten Zeile scheitern die meisten Angebote, denn ein System, das nur ein Ergebnis liefert, ohne zu sagen, wie sicher es sich ist, lässt sich in keinen Freigabeprozess einbauen.
Der Weg ins ERP
Die erfassten Daten gehen über die Schnittstellen, die Ihr System schon hat, ob SAP, ein anderes ERP oder eine Eigenentwicklung. Dabei muss am Anfang nicht alles durchlaufen. Viele Teams starten damit, dass das System nur Vorschläge macht, die ein Mitarbeiter mit einem Klick bestätigt. Das kostet wenige Sekunden pro Beleg und zeigt Woche für Woche, wo die Erfassung stimmt und wo nicht, und sobald das Vertrauen wächst, geht ein immer größerer Teil direkt durch. Wie die Anbindung technisch aussieht, beschreibt der Artikel KI in SAP, Microsoft 365 und Jira integrieren.
Wo Sie am besten anfangen
Mit einer einzigen Dokumentart, und zwar der mit dem höchsten Volumen oder den teuersten Fehlern, nicht der mit dem interessantesten Anwendungsfall. In einer Prozessanalyse zum Festpreis ab 3.000 € sehen wir uns den heutigen Ablauf an und schlagen eine Architektur mit Umfang, Zeitplan und Kosten vor; erste funktionierende Bausteine entstehen in sechs bis acht Wochen, mit Ihren echten Dokumenten.
Wenn bereits ein System läuft, das im Alltag zu oft Eingriffe braucht, lohnt sich zuerst die Frage, an welchem der fünf Schritte es hakt. Bei Radaway war deshalb kein Neubau nötig, drei Wochen gezielter Arbeit reichten. Welche Sprachmodelle für solche Aufgaben taugen und wo sie laufen können, zeigt die Seite LLM Entwicklung.
Welche Dokumente tippen Sie heute noch ab?
In der Prozessanalyse nehmen wir Ihre Abläufe auf, sortieren die möglichen Anwendungsfälle nach Nutzen und schlagen eine Architektur vor. Festpreis ab 3.000 €.
Prozessanalyse anfragenHäufige Fragen
Ja. Ein Sprachmodell liest den E-Mail-Text und die Anhänge, erkennt Kundennummer, Artikel, Menge und Liefertermin und übergibt sie strukturiert an das ERP. Beim Badausstatter Radaway sanken die manuellen Eingriffe dadurch um 90 %, die Produktzuordnung liegt bei über 95 %.
Ja. Gescannte und fotografierte Dokumente werden per Texterkennung oder direkt von einem Modell gelesen, das Bilder versteht. Die Qualität der Vorlage beeinflusst das Ergebnis, und unleserliche Stellen legt ein gutes System als unsicher einem Menschen vor, statt sie zu raten.
Nichts. Anders als bei Vorlagen und festen Regeln erfasst ein Sprachmodell den Inhalt unabhängig vom Layout, auch wenn die Bestellung frei formuliert mitten in einem E-Mail-Verlauf steht. Eine neue Regel je Kunde ist dafür nicht nötig.
An mehreren Prüfungen: Passt der Wert in das feste Datenformat, gibt es Kunde und Artikel in den Stammdaten, sind Menge und Preis plausibel? Für jeden Wert hält das System fest, wie sicher es sich ist. Fällt eine Prüfung durch, geht der Fall zur Freigabe an einen Menschen.
Erste funktionierende Bausteine entstehen in sechs bis acht Wochen, gebaut mit echten Dokumenten aus dem eigenen Posteingang. Läuft bereits ein System, geht es schneller: Bei Radaway war ein bestehendes LLM-System nach drei Wochen gezielter Arbeit produktionsreif.
Das hängt vom Betriebsmodell ab. Die Verarbeitung kann On-Premise auf eigenen Servern laufen, wie bei der Datenextraktion für Fr. Meyer’s Sohn, in der Cloud oder hybrid. Bei Cloud-Anbietern stellen wir immer sicher, dass die Nutzung der Daten für das Training ausgeschaltet ist.
Julia Rose