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Vektordatenbanken: Datensuche im Zeitalter generativer KI

Mitarbeitende suchen mit eigenen Worten, selten mit dem exakten Begriff aus dem Dokument. Vektordatenbanken finden Inhalte nach Bedeutung und sind deshalb das Fundament vieler KI-Assistenten, die aus Unternehmensdokumenten antworten. Wann sich eine eigene Vektordatenbank lohnt und wie sie in die Systemlandschaft passt, erklärt dieser Beitrag.

Krzysztof Udycz 5 Minuten Lesezeit
Eine Hand tippt auf ein Smartphone, darüber schwebt ein leuchtender Roboter mit der Aufschrift AI

Das Wichtigste in Kürze

  • Vektordatenbanken speichern Embeddings, also Zahlenvektoren für die Bedeutung von Texten, Bildern oder Audio, und finden ähnliche Inhalte.
  • Sie sind die Grundlage für semantische Suche und für RAG-Assistenten, die aus eigenen Dokumenten antworten.
  • Nicht immer ist ein eigenes System nötig: PostgreSQL mit pgvector oder eine vorhandene Elasticsearch-Installation können reichen.
  • Die Kosten hängen vor allem an Datenmenge, Aktualisierungsrhythmus, Betriebsart und den Anforderungen an Antwortzeit und Verfügbarkeit.

Was eine Vektordatenbank ist

Klassische Suche vergleicht Wörter. Wer nach „Kündigungsfrist“ sucht, findet keinen Vertrag, in dem steht, der Vertrag könne mit drei Monaten Vorlauf beendet werden. Vektorsuche funktioniert anders:

  1. Embeddings erzeugen: Ein Modell wandelt Texte, Bilder oder Audio in Zahlenvektoren um. Inhalte mit ähnlicher Bedeutung liegen im Vektorraum nah beieinander.
  2. Speichern und indexieren: Die Vektordatenbank speichert diese Vektoren zusammen mit Metadaten wie Dokumenttyp, Datum oder Zugriffsrechten.
  3. Ähnliches finden: Auch die Suchanfrage wird in einen Vektor umgewandelt, und die Datenbank liefert die Inhalte mit der größten Ähnlichkeit, gefiltert nach Metadaten.

Für generative KI ist das zentral: Ein Sprachmodell kennt interne Dokumente nicht. Die Vektordatenbank findet die passenden Abschnitte, und das Modell formuliert daraus die Antwort. Dieses Verfahren heißt Retrieval Augmented Generation (RAG).

Wofür Unternehmen Vektordatenbanken nutzen

  • Wissenssuche und Frage-Antwort: Mitarbeitende oder Kunden fragen in eigenen Worten und erhalten Antworten aus Handbüchern, Richtlinien oder Produktdokumentation.
  • Semantische Suche: Dokumente, Tickets oder Produkte werden nach Bedeutung gefunden, auch bei anderen Formulierungen oder Tippfehlern.
  • Empfehlungen: ähnliche Produkte, Artikel oder Fälle vorschlagen.
  • Dubletten und Ähnlichkeit: ähnliche Anfragen, Verträge oder Bilder erkennen.
  • Auffälligkeiten: Einträge finden, die keinem bekannten Muster ähneln.

Aus der Praxis

Aus der Praxis: apoQlar

Die Support- und Operations-Teams des MedTech-Unternehmens durchsuchten Hunderte Produktdokumente von Hand. Ein Assistent mit Sprachmodell und Vektordatenbank beantwortet Fragen heute in Sekunden und nennt zu jeder Antwort das Dokument. Ein zweites System für Sicherheitsfragebögen nutzt ChromaDB, damit sank die Bearbeitungszeit um 75 %.

Zur Referenz apoQlar Dokumentensuche

Aus der Praxis: technische Prüfbehörde

Der Bürger-Chatbot mit elf Fachagenten nutzt Qdrant als Vektordatenbank, um Fragen in Alltagssprache mit technischer Dokumentation zu verbinden. Er läuft auf Microsoft Azure.

Zur Referenz Bürger-Chatbot

Wann sich eine eigene Vektordatenbank lohnt

Nicht jedes Projekt braucht ein zusätzliches System. Oft ist die einfachste Lösung die, die sich in vorhandene Infrastruktur einfügt:

AusgangslageNaheliegende Wahl
PostgreSQL ist bereits im Einsatz, überschaubare DatenmengeErweiterung pgvector in der bestehenden Datenbank
Elasticsearch oder OpenSearch ist bereits im EinsatzVektorsuche dort ergänzen und mit Stichwortsuche kombinieren
Prototyp oder kleines Teamleichtgewichtige Open-Source-Datenbank wie Chroma
Große Datenmengen, viele Filter, hohe Lastspezialisierte Vektordatenbank wie Qdrant, Weaviate oder Milvus
Kein eigener Betrieb gewünschtverwalteter Dienst, etwa Pinecone oder die Cloud-Angebote der Open-Source-Datenbanken

Wichtiger als das Produkt ist oft die Aufbereitung: wie Dokumente in Abschnitte zerlegt werden, welches Embedding-Modell zur Sprache und Fachsprache passt und welche Metadaten für Filter und Zugriffsrechte mitgespeichert werden.

Was die Kosten treibt

  • Datenmenge: Anzahl der Dokumente und Abschnitte bestimmt Speicher und Rechenbedarf.
  • Embeddings: Das erstmalige Umwandeln aller Inhalte und jede Aktualisierung kosten Rechenzeit oder API-Gebühren.
  • Aktualisierung: Täglich wechselnde Inhalte brauchen eine andere Pipeline als ein fester Dokumentenbestand.
  • Betriebsart: selbst betrieben auf eigenen Servern, in der eigenen Cloud oder als verwalteter Dienst.
  • Anforderungen: Antwortzeit, Verfügbarkeit, Mandantentrennung und Zugriffsrechte.

Für viele Wissensassistenten ist die Vektordatenbank nicht der größte Posten. Mehr Aufwand steckt meist in Datenaufbereitung, Integration und Qualitätsprüfung.

Anbindung an vorhandene Systeme

  1. Quellen anbinden: SharePoint, Confluence, Dateiablagen, Ticketsystem oder Eigenentwicklung werden regelmäßig ausgelesen.
  2. Aufbereiten: Texte extrahieren, in Abschnitte zerlegen, Metadaten und Berechtigungen übernehmen.
  3. Embeddings erzeugen: mit einem Modell, das zur Sprache der Dokumente passt, in der Cloud oder lokal.
  4. Aktuell halten: neue, geänderte und gelöschte Dokumente automatisch nachziehen.
  5. Rechte beachten: Suchergebnisse nach den Berechtigungen der fragenden Person filtern.

Wie daraus ein zuverlässiger Assistent wird, beschreibt unser Beitrag Wie Unternehmen zuverlässige RAG-Systeme aufbauen.

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Wir prüfen mit Ihnen, welche Quellen und Fragen sich eignen, ob eine eigene Vektordatenbank nötig ist und wie sie an Ihre Systeme angebunden wird.

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Häufige Fragen

Eine Datenbank, die Embeddings speichert, also Zahlenvektoren für die Bedeutung von Texten, Bildern oder Audio. Sie findet Inhalte, die einer Anfrage inhaltlich ähneln, auch wenn andere Wörter verwendet werden.

Für Retrieval Augmented Generation: Die Vektordatenbank findet die passenden Abschnitte in Unternehmensdokumenten, und das Sprachmodell formuliert daraus eine Antwort mit Quelle.

Nicht immer. Bei überschaubaren Datenmengen reicht oft PostgreSQL mit pgvector oder eine vorhandene Elasticsearch-Installation. Spezialisierte Systeme wie Qdrant, Weaviate oder Milvus lohnen sich bei großen Datenmengen, vielen Filtern oder hoher Last.

Das hängt von Datenmenge, Aktualisierungsrhythmus, Betriebsart und Anforderungen an Antwortzeit und Verfügbarkeit ab. In vielen Projekten entsteht der größere Aufwand bei Datenaufbereitung, Integration und Qualitätsprüfung.

Krzysztof Udycz

Über den Autor

Krzysztof Udycz

AI Engineer, theBlue.ai

Krzysztof entwickelt bei theBlue.ai KI-Systeme für Unternehmen. Sein Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Sprachmodelle zuverlässig an Unternehmenswissen kommen: Embeddings, Vektordatenbanken und Retrieval, das auch mit großen Dokumentbeständen im laufenden Betrieb funktioniert.

In seinen Artikeln erklärt er die Technik hinter solchen Systemen so, dass Entscheider sie einordnen können.